Wer bin ich ohne Hobbies?
- 23. Okt. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Hobby
Substantiv, Neutrum [das]
in der Freizeit aus Neigung, Freude an der Sache mit einem gewissen Eifer betriebene Beschäftigung auf einem bestimmten Gebiet
Hobbies sind eine schöne Sache. Meistens etwas, was einem Freude bereitet, einen erfüllt und einem Energie schenkt (und gleichzeitig auch kostet). Man steckt Zeit und Eifer in diese Sache, entwickelt Ehrgeiz um besser zu werden und definiert sich in gewisser Weise auch durch sein(e) Hobby/ies. Es ist ein Teil von einem, denn ein Hobby kann sehr prägend sein, einem viel lehren und lässt einen über sich hinauswachsen.
Was ist aber nun, wenn man kein wirkliches Hobby hat. Ist man dann nicht besonders? Nicht interessiert an Freizeitbeschäftigungen? Hat man keine Talente, keine Begeisterung für außerordentliche Aktivitäten? Ist man faul? Langweilig? Unsozial oder gar seltsam?
Genau auf diese Problematik haben mich vor kurzem zwei sehr gute Freundinnen von mir angesprochen. Beide sind super süß, herzensgute Menschen und alles andere als untalentiert beziehungsweise verschlossen. Die beiden haben derzeit einfach keine als Hobby „anerkannten“ Hobbies. Für die beiden ist es trotz alledem eine ungute Situation, wenn sie von Leuten nach ihren Hobbies gefragt werden und ehrlichgesagt kann ich das nachvollziehen.
Ich persönlich habe sehr viele Hobbies. Ich tanze, schauspiele, model und schreibe unglaublich gerne. Mich zeichnen diese Dinge auch in gewisser Weise aus und ich verbinde mich stark mit diesen vier Beschäftigungen. Ich habe auch immer gesagt, dass mir Schule wichtig ist, aber ich sie nicht als meinen Lebensmittelpunkt ansehen möchte, nur weil ich noch Schülerin bin. Ich wollte mich immer verwirklichen. Erfüllung finden. Etwas tun, was mir Spaß macht. Und ich bin super froh, dass ich etwas für mich gefunden habe, in dem ich mich kreativ ausleben kann.
Jugendliche, die das nicht haben, struggeln oft damit. Nicht, weil sie unbedingt aktiv nach einer Beschäftigung suchen, sondern wegen dem Druck von außen. Niemand möchte langweilig sein. Jeder möchte auch als Mensch mit Persönlichkeit wahrgenommen und dafür anerkannt werden. Vor allem, wenn man Geschwister hat, die Hobbies haben und vielleicht sogar sehr erfolgreich darin sind, fühlt man sich womöglich dann öfter mal als das graue Schaf. Und das ist schade. Denn jeder von uns ist besonders. Man braucht dafür jedoch kein besonderes Hobby. DU bist schon besonders, weil DU DU bist. Und jeder Mensch ist anders. Auch ohne Hobby bist du völlig genügend. Hobbies sind ein Teil von dir, aber deine Hobbies sind nicht du. Deine Persönlichkeit wird vielleicht durch Hobbies geprägt, jedoch hast du auch genug Persönlichkeit ohne sie.
Ich persönlich könnte mir mein derzeitiges Leben nicht anders vorstellen. Ich liebe es unterwegs zu sein, ständig aktiv zu sein und meinen Hobbies nachzugehen, allerdings ist das von Persönlichkeit zu Persönlichkeit unterschiedlich und manche brauchen eher die Zeit nach der Schule/Ausbildung/Arbeit zuhause, um andere Dinge zu tun.
Solange man selbst glücklich ist und nicht das Gefühl hat, es fehlt einem etwas, ist es völlig in Ordnung, kein Hobby zu haben und man muss sich deshalb keineswegs schlecht fühlen. Ihr müsst euch vor niemandem rechtfertigen. Ihr seid genug! Du hast das Recht deine Prioritäten zu setzen. Du bist ein eigenständiges Individuum, das seine eigenen Entscheidungen treffen darf!
Hobbies sind vielfältig. Und auch wenn ihr in keinem Verein seid, keinen Wettkampfsport betreibt beziehungsweise keine Sprache oder Instrument lernt, seid ihr ja nicht untätig. Es ist auch wunderbar, wenn man zuhause hin und wieder neue Rezepte ausprobiert, gerne Musik hört, spazieren oder laufen geht, sich mit Freunden trifft oder neue Frisuren oder Outfitkombinationen kreiert. Solange du etwas tust, was dir Freude bereitet und ein positives Gefühl in dir hervorruft, ist es doch schon etwas tolles. Vielleicht nicht gleich ein Hobby, wie man es als eines bezeichnen würde, aber definitiv etwas, woran du dich festhalten kannst – ein Teil von dir, so wie ein Hobby einer ist.
Manche Menschen sind zum Beispiel sehr empathisch und hilfsbereit, wenn jemand ein Problem hat und versuchen sofort zu helfen. Das ist genauso etwas Besonderes und wahnsinnig Wertvolles, nur wird von viele vielleicht nicht immer auf Anhieb erkannt und geachtet, ist aber genauso eine unglaubliche Stärke, wie andere vielleicht ein Hobby als ihre Stärke bezeichnen würden. Lasst euch also nicht verunsichern und gebt auch den Menschen in eurem Umfeld, die vielleicht kein „anerkanntes“ Hobby haben, das Gefühl, gesehen zu werden - nämlich als unersetzbare Person. :)
Life´s a hobby. – Joshua Lederberg
Ich habe kein hobby. Nicht daß ich ein Arbeitstier wäre, das nichts anderes mit sich anzufangen wüßte, als sich anzustrengen und zu tun, was es tun muß. Aber mit dem, womit ich mich außerhalb meines offiziellen Berufs abgebe, ist es mir, ohne alle Ausnahme, so ernst, daß mich die Vorstellung, es handele sich um hobbies – also um Beschäftigungen, in die ich mich sinnlos vernarrt habe, nur um Zeit totzuschlagen –, schockierte, hätte nicht meine Erfahrung gegen Manifestationen von Barbarei, die zur Selbstverständlichkeit geworden sind, mich abgehärtet. Musik machen, Musik hören, konzentriert lesen ist ein integrales Moment meines Daseins, das Wort hobby wäre Hohn darauf.